Santa Cruz de Tenerife
August 25
Wenngleich es wenig Neues ist, dass mein Auto Blicke auf sich zieht, so waren jene in der Autoschlange am Fährhafen von Huelva im besonderen Maße unverkennbar. Wenig verwunderlich, so erfüllte sich hier mehr ein Traum als eine Selbstverständlichkeit, nun Flavio auf die Fähre in Richtung Teneriffa fahren zu können.
Die Blicke waren dabei eventuell auch auf Flavios äußeren Zustand zurückzuführen. Eingestaubt von oben bis unten, wirkte er im Zusammenspiel mit seinem Oldtimer-Look, als hätte er die letzten 5 Jahre auf einem Schrottplatz verweilt. Die Wahrheit aber war, dass er in den vergangenen Wochen, vor allem aber in den vergangenen drei Tagen außergewöhnliches geleistet hatte.
So fanden wir uns zum Abschluss des Roadtrips südlich der Küstenstadt Sines, aber im Landesinneren Portugals in einer Region wieder, dessen Straßen einem Outback-Vibes gaben. Eine
rote Schotterpiste ließ Flavio hier in einen Offroader verwandeln. Der rote Sand bedeckte ihn dabei von außen wie von innen, da ich aufgrund der Hitze und fehlender Klimaanlage auf offene
Fenster angewiesen war.
Ich traf hier wieder auf Eva und Pepe, die in der Zwischenzeit ebenfalls Portugal erkundeten. Wir kamen unter auf einer kleinen Ferienanlage, die zugleich das Privatgrundstück und Zuhause
der Vermieter war. Einem netten, älteren Ehepaar, die sich hier selbstständig gemacht haben.
Am morgen des 26.August ging es dann für Flavio und mich auf eine letzte Etappe. in einer dreistündigen Fahrt ging es entlang der Algarve über die Landesgrenze nach Spanien in Richtung Fährhafen von Huelva. Wir erreichten ihn mit ausreichend Zeitpuffer, den wir gar nicht brauchten. Denn am Fährhafen selbst lief, ausgenommen von der Wartezeit, alles reibungslos ab. Nachdem Flavio eine stichpunktartige Auto-Durchsuchung mit Spürhunden erfolgreich überstand, durften wir um ca 16 Uhr auf die Fähre fahren.
Von nun an lag der Ausgang unseres waghalsigen Abenteuers nur noch in der Hand des Kapitäns.
Es lagen nun 32 Stunden Fährfahrt vor mir, die zu einer Herausforderung wurden, da ich aus Kostengründen auf eine Kabine verzeichnet hatte. So blieb mir tagsüber ein Platz an Deck mit schöner Aussicht und frischem Wind. Und nachts Sitzplätze im Inneren der Fähre, die jedoch einen erholsamen Schlaf nicht zuließen, da weder die Arm- noch Rückenlehnen verstellbar waren. Als wäre das nicht genug, wurde morgens um 6 Uhr der Innenraum mit grellem Deckenlicht geflutet.
Meiner nicht vorhandenen Vorbereitung war es geschuldet, dass ich mich nicht um Verpflegung gekümmert hatte und somit weder Verpflegung an Bord bestellt noch eigenes Essen mitgebracht hatte. So mogelte ich mich bei den Mahlzeiten in die Buffetschlange. Einmal kam ich durch, die anderen Male musste ich wohl oder übel zahlen.
Alles in einem war es aber eine erholsame und schöne Überfahrt, die in der Nacht zum 28.August um 1 Uhr am Fährhafen von Santa Cruz de Tenerife endete.
Es war ein erfüllendes und zugleich surreales Gefühl, Flavio von Bord der Fähre zu steuern und die ersten Kilometer auf der Insel zu fahren.
Ich fuhr einfach erstmal die Autobahn in Richtung Süden und genoss das Gefühl eines Night-Roadtrips auf den Kanaren, auf dem die Anspannung der letzten Wochen endgültig abfiel. Denn wir hatten es geschafft.
An einem kleinen Surfstrand fand sich über Park4Night ein Parkplatz in einer kleinen Parkbucht. Bei enormer Windstärke baute ich ein letztes Mal auf dieser Tour das Auto zum Schlafen um.
Ich musste nun noch zwei Tage überbrücken, bis ich in meine WG einziehen konnte. Und nahm mir dafür ein Airbnb im Süden der Insel, um auf Teneriffa ankommen und mich von den Reisestrapazen erholen zu können.
Am nächsten Tag fuhr ich in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz und traf mich hier mit Laura, einer meiner zukünftigen Mitbewohnerinnen, zu einer ersten kleinen Stadtbesichtigung. Wie nur wenige Teile der Insel liegt Santa Cruz in einem flachen Küstengebiet umgeben von den Bergmassiven des Anaga-Gebirges und überzeugte beim Schlendern durch die Straßen mit einem hohen Wohlfühlfaktor. Dabei war es kein klassisches Sightseeing, viel mehr liefen wir einfach ein bisschen herum, entlang der Hafenpromenade und vorbei am Auditorio de Tenerife, einem architektonischem Wahrzeichen am Hafen mit außergewöhnlicher Form und regelmäßigen kulturellen Veranstaltungen.
Es waren schöne erste Eindrücke auf Teneriffa, die nur getoppt werden konnten durch die erfolgreiche Mission, es mit Flavio hierher geschafft zu haben. Ich blickte nun zum einen zurück auf ein besonderes Abenteuer auf den Straßen Südeuropas und zum anderen voraus auf eine ereignisreiche Zeit auf Teneriffa.
